Teach kindness
Im Kontext Schule kann man sich richtiggehend weiterentwickeln.
Oder man kommt fresh aus dem Anwärter*innendienst an eine Schule (oder bleibt sogar an seiner Ref-Schule) und vermodert genau dort mit genau den Erfahrungen, die man begrenzt, versteht sich, machen kann und beendet schließlich seine Karriere genau dort mit Schulleitungsˋ Abschiedsworten:
Er*sie ___________________ (hier belanglose Floskel der Beständigkeit einsetzen) und so weiter und so fort.
Eine Kollegin der Sonderpädagogik (anderer Landkreis 😬) rühmt sich regelrecht mit der Aussage, noch den medizinischen Aspekt unseres Berufs studiert zu haben, sogar an einem medizinisch ausgerichteten Zweig der Hochschule. Damit begründet sie ihre Expertise und die Forderung, wir sollten uns als Förderschullehrkräfte nicht verlieren oder assimilieren lassen.
Ich bin ja ein großer Fan von Seven of Nine (die sympathische Borg aus Star Trek) und Assimilation, das wissen wir auch von unserem Kumpel Piaget, den wir immer mit Blick in den zittrig umklammerten Zimbardo rauf und runter zitieren mussten, ist eigentlich eine großartige Fähigkeit und Kompetenz. Eine, die man schätzen sollte. Seven of nine sagt dazu ja auch: Fun will now commence!
Und so ist es auch. Anstatt sich darauf zu berufen, was man mal vor 1000 Jahren studiert hat (oder wo), darf man sich auch gern mal fragen: was habe ich denn gelernt? Was habe ich Neues dazu gelernt? Wo habe ich von den Kindern, aus der Elternarbeit dazu gelernt? Habe ich meinen Horizont erweitert? Über den Tellerrand geschaut? Habe ich neue Systeme kennengelernt? Habe ich Neues ausprobiert? Bin ich kritisch geblieben und hinterfrage ich auch mal was? Hab ich mal das System gewechselt? Mich freiwillig für eine Abordnung gemeldet?
Je breiter die Erfahrungen sind, desto breiter ist dann auch der Blick aufs Ganze, der pädagogische Horizont. Und Erfahrungen macht man im Schuldienst, nicht in der Uni, da bekommt man höchsten ein bisschen Sternenstaub der Motivation ab, wenn man Glück hat.
Ob ich als Förderschullehrkraft gut bin, liegt nicht am Studium, sondern an den Erfahrungswerten und der Bereitschaft flexibel an verschiedene Lebens- und Lernlagen heranzugehen. Ob ich als Gymnasiallehrkraft bereit bin für Inklusion liegt nicht daran, ob ich ausgebildet bin für differenzierten Unterricht, sondern ob ich mich aufmache, eine Grundlage für gelingende Bedingungen zu schaffen. Raúl Krauthausen sagte mal im Podcast mit Bob Blume, dass dieses Argument, nicht ausgebildet worden zu sein für dies und das, irgendwie an Gewicht verlöre vor dem Hintergrund, dass es so viele Eltern gibt, die auch nicht ausgebildet werden auf die Erziehung und die Herausforderungen im System, wenn man ein Kind bekommt, das nicht entlang der Norm beschult werden kann. Man lernt durch Erfahrungen und man baut Netzwerke, um Erfahrungen weiterzugeben, auszutauschen und sich gegenseitig zu bereichern.
Und jetzt kommt kindness ins Spiel. Je breiter die Erfahrungen, desto verständnisvoller und überlegter kann man handeln. Sich in seine Gegenüber hineinversetzen zu können, weil man die Bedingungen kennt, hilft im täglichen Miteinander. Die Inhalte deines Studiums werden da schnell zweit- oder drittrangig.
Vielleicht habe ich jetzt ein bisschen viel gemeckert, um dann kindness zu fordern. Im Grunde ist es ganz einfach. Teach kindness.