Manchmal fehlt einfach die Kraft. Dann ist es auch einfach mal gut. Nur das Nötigste und die Ohren zuklappen. Und an Tagen wie heute, ich vertrete Unterricht in Klassen, die ich nicht kenne, dann merkt man schon: das ist jetzt Oberkante.
Wie merken wir Lehrkräfte eigentlich, dass es den Lehrkräftemangel gibt? Wie kompensiert es Schule eigentlich, wenn von jetzt auf gleich Lehrkräfte ausfallen? Wie organisiert sich das? Und wie wirkt sich das auf die Kinder aus?
Darüber würde ich jetzt gerne schreiben, aber mein Tag war heute schlimm. Alle haben Sorgen, viele Kinder sind irgendwie nicht im Lot. Über die 5.-Klässler machen wir uns grundsätzlich Sorgen. Bei denen spürt man die Auswirkungen von Schule-Aus/Schule-An während der Pandemie sehr.
Eine Lehrkraft hat eine OP nicht gut überstanden. Hoffentlich erholt sie sich bald davon. Viele Kolleg*innen sind krank. Und ich muss vertreten, das kommt nur vor, wenn die Stundenplaner*innen wirklich keine Alternative mehr haben. Wir bekommen einen Quereinstieg von einer anderen Schule. Auf dem Zeugnis stehen nur 5en und 6en. Was dieser*m Jugendlichen wohl widerfahren sein mag? Sowas hat Gründe. Vorerst muss aber ganz schnell entschieden werden, in welche Klasse die*der Schüler*in nun kommt. Auch nicht leicht, wer hat Kapazitäten für die schwere Beziehungsarbeit? Nächste Woche schreibt gefühlt jede Klasse Mathearbeit. Zum Glück hab ich die Differenzierungen schon gemacht. Ich hab noch ein Fördergutachten und zwei Aufhebungsgutachten und eine Sachstandsfeststellung sowie zwei Entwicklungsberichte, ein Protokoll und noch irgendwas Wichtiges auf dem Schreibtisch. Ich hab nur vergessen, was! Und zwei Elterngespräche. Am liebsten würde ich das alles binnen einer Woche erledigen, aber diese Vorstellung ist lächerlich. Jeder weiß, wie lange man sich mit diesen Sachen rumschlägt.
Deswegen würde ich gern mehr Konstruktives schreiben, aber ich kann nicht. Ich fall jetzt lieber mal entkräftet ins Bett.