Künstliche Intelligenz

In aller Munde, oft aber nur als Headline zitiert, nimmt sie sich Raum in der Gesellschaft. Die Allermeisten haben aber bedauerlicherweise keine praktische Erfahrung damit und verkünden den Verfall. Die künstliche Intelligenz schreibt Texte und erzeugt Bilder. Und natürlich kommt das Thema in der Schule an. Jede*r kennt eine*n, bei dem*der schon mal ein KI-Text abgeben wurde, um sich eine gute Note zu sichern. Schweinebande, mag man da denken! Aber nicht ich; ich denke, dass die künstliche Intelligenz die Chance ab jetzt für alle mit Internet ist, zu bescheißen oder aber einfach Texte zu schreiben und Bilder zu erzeugen, die das vorher nicht konnten. Schließlich gab es vorher auch schon die wenigen Glücklichen, die sich einfach von ihren Eltern oder Mitschüler*innen haben helfen lassen.

Das Problem sind ja nicht die künstlichen Intelligenzen, sondern die Aufgabenformate und Benotungsformate, die es in der Schule gibt. Mitten in eine Beschiss-Diskussion hinein möchte ich manchmal rufen: Lass dir doch die Recherchearbeit zeigen! Ihr habt doch sicher eine Mindmap gemacht vorab, oder? Welche Quellen wurden denn angegeben? Kann der*die Delinquent*in aus dem Stand einen Kurzvortrag halten?

Aber sowas passiert, wenn man sich an veraltete Auffassungen von Leistungsfeststellung klammert. Schön einen Aufsatz aufgeben. Als Hausaufgaben eine Zusammenfassung schreiben lassen. Jetzt mit Chat gpt und dergleichen wird das zur Farce. Bearbeitet man Themen aber so, wie es sachlogisch auch Sinn macht, mit Portfolioarbeit, festgehaltener Quellenrecherche, Mindmap zur Übersicht, also Flickenteppiche, die erst ganz zum Schluss einen Text ergeben, dann kann man sehr leicht nachvollziehen, wer da schummelt und wer nicht, weil Zwischenergebnisse benotet werden und nicht nur ein Endergebnis.

Bestenfalls kann eine KI zur Hilfe herangezogen werden, finde ich zudem. Wer Schwierigkeiten mit Formulierungen hat, kann profitieren. Wer überhaupt Schwierigkeiten hat, Texte zu verfassen, für den kann die KI eine echte Hilfe sein. Was ist denn das Ziel: Menschen dazu befähigen, adressaten- und themenbezogene Texte zu verfassen, oder nicht?

Ausschlaggebend sind nämlich auch die Suchbegriffe oder prompts, die man eingeben muss, bevor überhaupt etwas erstellt wird. Das muss man auch können: Fragen so stellen, dass man daraus eine gute Antwort ableiten kann.

Und trotzdem macht mich die KI an sehr vielen Stellen sehr unglücklich mit all ihren Möglichkeiten. Die AfD z.B. kann sich mit allerhand menschenfeindlichem Vokabular Bilder generieren, die sie zu Hasskampagnen einsetzt und die dazu führen, dass sich Falschmeldungen noch schneller und massiver verbreiten. Die meisten KI Bilder transportieren ungute Stereotype und Auffassungen von z.B. Menschen mit Behinderungen, die so nicht stehen gelassen werden können. Dazu gibt es einen super Artikel auf der Webseite dieneuenorm.de. Wenn ich auf Canva ein Bild generieren möchte mit dem prompt Downsyndrom, bekomme ich einen Warnhinweis, dass ich mit diesem Wort nicht suchen darf, weil es Bildmaterial ergäbe, mit dem man Menschen beleidigen könne (so sinngemäß der Wortlaut). Ist das nicht auch hochproblematisch?

Was ich aber gut finde, ist, dass man die KI-Bilderzeugung manchmal ganz deutlich sehen kann. Menschen auf AfD Postings haben dann 6 Finger oder bei meinem Beitragsbild ist der Körper völlig verdreht und einige Stellen gehen farblich ins Ungewisse über. Die künstliche Intelligenz ist nicht kreativ, sie nutzt Logik, also ist das keine Kunst, wohl aber überlegt. Ich finde die Zähne auf dem Bild super. Das hat was!

Und was kann Schule jetzt damit anfangen? Ich würde ja sofort alle meine Kunstkurse bei Canva anlegen und mit den Lernenden KI-Bilder erzeugen, vergleichen und hinterfragen. Leider hab ich keine! Ich wünsche mir Heranwachsende, die kritisch auf Bilderzeugnisse, aber auch Texte, blicken, die sich bewusst sind, dass es Fälschungen oder real nicht existierende Inhalte sein können. Sie sollen Chancen und Risiken kennen und Erfahrungen damit sammeln. Vielleicht wird Individualität jetzt endlich weniger mit Filtern belegt, als mehr mit sympathisch-wärmender Unperfektheit. Das wünsche ich mir für die Schule!

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