Gutes sehen, wo andere nur Schlechtes erkennen können, das möchte ich irgendwann mal ermöglichen. Es ist hinreichend bekannt und doch wird selten darüber gesprochen, über das Gefühl, andere müssten dieses oder jenes doch auch kennen. Weil etwas allgegenwärtig ist… und trotzdem spricht es keiner an.
Aber heißt das, dass es sonst keiner wahrnimmt?
Ich stelle mir vor, kein Mensch trüge mehr Unterhemden. Da platzt es aus mir heraus: Mir ist so kalt, wäh, ich hab kein Unterhemd an… Und schon ruft jemand: Ja, dann zieht es kalt rein, kenn ich! Und es plappert nunmehr aus allen Ecken, dass man ohne Unterhemd im Winter nicht leben kann und wo es die besten Unterhemden gibt und was für eine wunderbare Erfindung das ist.
Das kennt man doch, oder? Dass weitreichende, wichtige Erkenntnisse oft nicht so geteilt werden, wie man es sich wünschen würde? Manchmal nur aus Versehen oder, ganz schlimm, zu Werbe- oder Angabezwecken.
Zum Gutes sehen – das Inkluskop
Also erfinde ich jetzt das Inkluskop, damit man den Blick auf die vielen kleinen Situationen richten kann. Unbemerkt, damit es nicht stört. Und dann sieht man sie, die Erkenntnisse, die Gelingensbedingungen der inklusiven Gesellschaft. Nämlich die Unvoreingenommenheit der Kinder in einem System, das Diversität und Demokratie groß schreibt und wo man sich gegenseitig unterstützt und jeder, der behauptet, Kinder mit besonderen Bedarfen würden überwiegend gemobbt und ausgegrenzt, der darf mal durch das Inkluskop gucken, wild umherblicken und beobachten, dass es vielfältigere Situationen gibt.
Das Inkluskop zeigt ebenso die schlimmen Seiten, die Momente, in denen etwas nicht gelingt. Aber eben auch die, denen wir oft keinen Wert beimessen, wo Kinder sich gegenseitig helfen. Wo es wenig Unterstützung bedarf, weil Faktoren in einem System schon so gut ineinandergreifen. Wo multiprofessionelle Teams gut miteinander kooperieren. Wo die inklusive Schulentwicklung trotz fragwürdiger Vorgaben läuft und läuft und läuft. Wo Verständnis und gegenseitige Hilfe dominieren, wo sich Lehrkräfte unterstützt fühlen und Erfolge haben. Wo sich Kinder wohlfühlen und Bindung aufbauen, gerne in die Schule kommen und ihre Ziele erreichen.
Das kann das Inkluskop. Man muss nur reingucken und seine Voreingenommenheit beiseite schieben. So schwer ist das eigentlich nicht. Dann sieht man alles und nicht nur eine Seite.