Gewerkschaft wirkt! Aber wie?

Mein Lieblingsthema – Gemeinschaft! Heute habe ich beim Radfahren darüber nachgedacht, wie man Leuten erklären kann, was die Gewerkschaft wie tut, damit sie wirkt. Und das ist wichtig, weil wir mehr denn je Kraft aus und mit vielen bündeln sollten als ganz individuell zu leiden.

Die Gewerkschaft vertritt Arbeitnehmende, soviel ist klar. Die meisten kennen Gewerkschaften aus den Medien, das sind die mit den harten Tarifverhandlungen und Protesten. Vielleicht habt ihr euch schonmal gefragt, wie das eigentlich zustande kommt. Woher weiß die Gewerkschaft denn, was angemessen ist? Und wer entscheidet das dann? Da steckt nämlich ganz viel Wissen in dieser Gemeinschaft. Nur wie kommt die Leitlinie zustande?

Es ist nur scheinbar kompliziert, das kann ich vorab schon verraten. Im Grunde bestehen Gewerkschaften aus Arbeitnehmenden, die aktiv und passiv daran mitwirken, eine gerechte und aufmerksame Vermittlung zum Arbeitgebenden herzustellen. Mitglieder in der Gewerkschaft zahlen Beiträge, damit dies auch rundherum funktionieren kann. Wer mitmachen will, trifft sich, bespricht wichtige Themen oder organisiert Fachtage, manchmal gibt’s Häppchen (ja, ich bin essensfixiert), wir bestimmen aus unseren Reihen aber auch Delegierte, die auf regelmäßigen Delegiertenkonferenzen über Anträge beraten und abstimmen. Diese Konferenzen sind riesig, man sitzt in einem großen Saal und hat so coole Abstimmungsgeräte. Die Anträge kommen aus allen Bezirken und Fachgruppen sowie dem gewählten Vorstand. Anträge werden aber eigentlich direkt in den Vertretungen vor Ort zusammengetragen, sozusagen als Idee, denn da weiß man, wo es brennt und was nötig wäre. Man merkt schon, das ist wie eine lange Meldekette. Stille Post ist es aber auch wieder nicht. Auf mehreren Ebenen und auch parallelen Strukturen wird beraten und Stellung bezogen. Auf der Delegiertenkonferenz stimmen dann alle ab, ob diese Anträge sozusagen zum Gewerkschaftprogramm werden und im weiteren von der Gewerkschaft verfolgt werden.

Meine erste Delegiertenkonferenz war schon irgendwie komisch. Ich hatte den fetten Antragsordner natürlich mit und natürlich freut man sich auf Häppchen und Gespräche, was aber dann an Diskussionen, gemeinschaftlichem Neudenken und Konsens stattfand, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich will jetzt nicht schleimen, aber das ist echt harte Arbeit. Du musst über Stunden auf Zack sein, zuhören und mitdenken. Die Diskussionen sind lebhaft und die Entscheidung am Ende fix, da hat man gar keine Zeit für sowas wie Häppchen. Man bereitet sich auch auf die Konferenz vor, indem man die Anträge vorab schon sichtet und bespricht.

Jetzt ist meine Gewerkschaft die mit dem E und W. Das steht für Erziehung und Wissenschaft. Tarif- und Beamtenpolitik ist dabei ein Stützpfeiler gewerkschaftlicher Arbeit. Der Konferenz-Ordner ist aber auch voll mit Inhalten aktueller Bildungspolitik, da sind Anträge zu Innergewerkschaftsfragen, es geht um Aus-, Fort- und Weiterbildung. Frauen-, Gleichstellungsbeauftragten- und Geschlechterpolitik sowie grundsätzliche Bestreben zur Demokratiebildung und Haltung sind ebenso im Zentrum der Gespräche. Es gibt verschiedene Fachgruppen und Referate, alles zu verschiedenen Bildungs- und Themenbereichen. Alle Altersstufen sind vertreten und werden berücksichtigt. Man findet sich darin irgendwo wieder, wenn man erstmal gecheckt hat, was es alles gibt. Und am Ende bist du die Gewerkschaft, weil du mitbestimmst und mitwirkst.

Und es fehlt noch der ganze Unterbau. Die gemeinsamen Fahrten zu Protestaktionen, Bildungsmessen oder Fortbildungen sind toll. Nur nix für mich, ich mag das nicht so, ich fahre lieber allein irgendwohin. Das liegt bei mir an der Lautstärke und dem Geschnatter. Ich bin da etwas empfindlich und bekomme schnell mein Stressohr. Also muss ich bei sowas leider passen.
In meiner Ortsgruppe werden regelmäßig Skattreffen, Kegelturniere und Fahrten ins Museum organisiert. Ich würde sonst ganz sicher nicht kegeln gehen, aber da so in der Gruppe ist es dann doch ein Riesenspaß. Den Schinken, den ich gewonnen habe, habe ich aber lieber meinem Vater überantwortet.

Mein Lieblingsdiskussionspartner Hajo und ich liefern uns erst spannende Wortgefechte zum Thema Inklusion und dann steckt er mir noch einen Packen GEW-Bleistifte mit Radiergummi hinten dran zu, weil er mittlerweile in Pension ist, er aber weiß, dass ich mal erzählt hab, das meine Schüler*innen mir die Bleistifte immer wegmopsen. Sie sind eben ziemlich praktisch! Und bei mir auch immer angespitzt.

Man kommt mit vielen Leuten zusammen, wir erzählen von unseren Erfahrungen und immer wieder wird geschaut: Was ist nötig? Was brauchen wir?

Also: ich brauche in Zeiten von Überlastung und mehr Fragen als Antworten im Bildungsbereich tatsächlich einfach nur Leute, mit denen ich an was arbeiten kann, wo ich mich einbringen kann auf meine Weise. Ich kenn mich gar nicht so gut aus mit Gewerkschaftspolitik, dafür kann ich aber viel einbringen aus der tatsächlichen Bildungsarbeit in der Schule. Ich weiß was über Inklusion und Förderschulen. Und ich finde Gleichgesinnte, um darüber zu sprechen. Es ist ein graduelles Mitarbeiten am aktuellen Bildungsgeschehen und das beruhigt mich irgendwie. Es ist eine Gemeinschaft, die mich mit meinen Interessen vertritt und einbindet. Und das ist ein gutes Gefühl.

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