Gute Lehrkräfte

Es gibt sie, diese Lehrkräfte, denen du ewig dankbar bist. Darüber hört man wenig, aber sie sind da. Gestern habe ich mit meiner Schutzlehrkraft telefoniert und war hinterher voller Hoffnung und Tatendrang. Es gibt sie also, jene bei denen du überlegst, wie man am besten zeigen soll, dass man die Schulzeit des eigenen Kindes nur hat durchstehen können, weil genau diese eine Lehrperson ein Auge auf dein Kind hatte.

5 zu 1 Regel

Großartig finde ich, dass ich jahrelang erzählt habe, es gäbe ja diese eine Studie (die Gottman-Konstante) , die besagt, auf 5 schlechte Lehrer*innen bräuchte man nur eine tolle Lehrkraft und schon wäre alles paletti. Denn der Clou an der Sache ist, dass die Studie Paarbeziehungen untersucht hat und dass das Ergebnis war, dass es 5 positive Interaktionen braucht, um eine negative auszugleichen. Ich liege also irgendwie falsch mit meiner Erinnerung und trotzdem lehrt mich die eigene Wahrnehmung: wenn eine Gelingensstruktur zur Verfügung steht, dann gibt es auch einen Weg, trotz vieler Hürden und Probleme (auf jeden Fall mehr als 5!).

Beide Kinder sind herausfordernd und sperrig im Umgang. Und gleichzeitig so wunderbar vielseitig und tief in ihren Gedanken und Ideen. Offensichtlich ist, dass das Schulsystem nicht so wirklich zu ihren Bedürfnissen passt. Als junge Mutter mit wenig Eigenerfahrung habe ich damals diverse Internetforen durchforstet (damals noch das angesagte Ding). Entsetzt habe ich feststellen müssen, dass die meisten Eltern mit ähnlichen Kindern davon träumten, Ihre Kinder selbst zu unterrichten. Ins Ausland ziehen wurde auch oft in Betracht gezogen. Im Internet kann man ja träumen. Überwältigt hat mich die Verzweiflung dieser Eltern, aber auch die Kraft des Austauschs. Ich hab dann eine Selbsthilfegruppe für Eltern besucht. Und danach habe ich versucht mir ein Netzwerk aus Unterstützer*innen aufzubauen, um meinem Kind zu helfen.

Eine Schule für alle

Die einzige wirklich hilfreiche Sache aber war, dass mein Kind an eine Schule ging, die Heterogenität als selbstverständlich anerkennt – und trotzdem eine Wald- und Wiesen-IGS ohne besondere Profilierung oder anderem Tamtam ist. Nur eine Schule für alle. Eine ganz normale. An dieser Schule gibt es viele Kinder aus unterschiedlichen Lebenslagen und mit vielfältiger Disposition. Mein Kind fühlte sich dazugehörig. Trotzdem war fast alles schwierig, aber die Klasse hat keinen zurückgelassen. Wie eine Herde Schafe stelle ich mir das vor. Und hinter ihnen her geht eine Lehrkraft und schwenkt den Tafelstift.

Gestern schwenkt die Tutorin meines großen Kindes den Tafelstift, indem sie mich anruft. Das ist nicht selbstverständlich und ich bin ihr allein für die Bereitschaft, das zu tun, schon dankbar. Sie erzählt mir von einer Schieflage, in die sich mein Kind manövriert zu haben scheint. Ich wusste davon nichts, schließlich ist er in der Oberstufe. Aber die Sachlage ist ernst, das könnte zu enormen Schwierigkeiten führen. Wir sprechen uns also ab und planen, was wir machen können, wie man helfen kann.

Ich danke ihr von Herzen für ihr Engagement, ganz aufrichtig und knapp.

Und sie erzählt, dass sie vorher an einem Elite-Gymnasium unterrichtet hat und von dort schnell flüchten musste, weil sie immer wieder den Satz gehört hat: Das Kind gehört hier einfach nicht auf diese Schule. Als könne man sich das aussuchen, als wäre das in Ordnung, auszusondern und mit Unterdurchschnitt zu legitimieren.

Es ist schon etwas Sonderbares, dieses Dreieck aus Lehrkraft, Eltern und Kind. Wenn das nicht funktioniert, dann geht das mit dem Lernen auch nicht, auf allen drei Seiten. Und aus Elternsicht: Natürlich hat man Glück, wenn man eine solche Lehrkraft findet, aber es hat auch was mit seiner eigenen Bereitschaft zu tun, Heterogenität anzunehmen. Nicht jede Lehrkraft kennt sich mit allem aus, nicht jede kann das mit der Elternarbeit schon gut. Man darf als Eltern nicht nur fordern, man muss kooperieren, zeigen, dass man Verständnis hat und trotzdem um Hilfe bitten. Ich biete oft was an, ich bin zuverlässig und gebe Rückmeldung. Und an so Abenden wie gestern, sage ich der Lehrerin einfach, wie dankbar ich bin, dass sie mein Kind ein Stück weit begleitet. Bei sowas gilt übrigens auch die 5 zu 1 Regel, 5 mal was Positives beitragen, macht einmal Beef mit dem Sportlehrer wett. Hoffe ich! Jetzt, als mittelalte Mutter mit mehr Erfahrung.

 

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